Review: Whiskey-Soda

http://whiskey-soda.blog.de/2013/12/09/jonnie-schulz-zutritt-hinterwaeldler-17330390/

Jonnie Schulz – Kein Zutritt für Hinterwäldler

von whiskey-soda @ Montag, 09. Dez, 2013 – 16:42:15

Ich habe nie ein Konzert der Butch Meier Band besucht und mein Vorwissen besteht aus Erzählungen, denen zufolge die Band es neben extravaganten Bühnenoutfits auch sonst gern auf die Spitze trieb. Dazu soll die Hamburger Gruppe mit ihrem Country- und Westernprogramm, das sich unter anderem aus neu interpretierten Punk- und Metalklassikern zusammensetzte, während eines Konzerts dem Fleischkult verfallen sein und eine Grillshow auf der Bühne abgehalten haben. Ein Album gab es nie, sondern nur zwei Singles mit insgesamt vier Songs, die sich heute auf der Bandcampseite befinden. Musikalisch aktiv ist heute noch der ehemalige Bassist Digger Barnes und der Schlagzeuger, der Autor des Buches ist. Jonnie Schulz erzählt die Geschichte der Butch Meier Band und stellt Fakten und Vorurteile klar.

Schulz unterteilt das Buch in zwei Abschnitte. Im ersten Teil beschreibt er die Bandgründung, die im Jahr 2000 aus der Motivation entsprang Countrymusik zu spielen, da es unter anderem die Musik der Outlaws und Unterprivilegierten ist. Nachdem die ersten Songs im Proberaum eingespielt sind, versucht die Band in diversen Countryclubs um Hamburg ihre Songs dem besagten Publikum nahezubringen, das jedoch konservativ reagiert, womit die Butch Meier Band schnell an ihre Grenzen stößt. Aus diesem Grund suchen sie sich Alternativen wie die Berliner Kadterschmiede, in der sich die Band vor dem Auftritt vor einem Plenum wegen ihrer vermeintlichen Nähe zum konservativen Amerika verteidigen muss. Hier kommt die größte Stärke des Buches zum Vorschein: Schulz beschreibt all den Blödsinn, den die Band (durch-)gemacht hat, ist aber an jeder Stelle reflektiert und beschreibt seine Sicht.

So kommen die Bandmitglieder nach den ersten Jahren an die Grenzen ihrer Freundschaft, finden sich jedoch im zweiten Teil wieder zusammen, um mit neuen, schockierenden Aktionen das Publikum zu begeistern. Es wurde eine Grillshow initiiert, in der sich die Instrumente der Bandmitglieder in Fleischgerichte verwandelten und Songs wie ‘Fleisch Ist Fleisch’ (‘Live Is Live’) und ‘Cows Are Made For Eating’ (‘These Boots Are Made For Walking’) auf der Bühne präsentiert wurden. Eine weitere von Schulz’ Stärken ist der subtile Humor, der sich am besten in seinen Lesungen entfaltet. Hier wirkt er wie ein Nachrichtensprecher, der neben der Geschichte Werbevideos und weitere Fotos präsentiert, die nicht im Buch vorhanden sind, aber zur Glaubwürdigkeit beitragen. ‘Kein Zutritt für Hinterwäldler’ ist ein gelungenes Werk, von dem ich nicht genug bekommen kann und ich wünsche mir, dass es einen Nachfolger gibt, der die Geschichte von Attack Of The Mad Axeman – der aktuellen Band von Schulz, die sich aus Tieren zusammensetzt – erzählt.
Lyord

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